Neulich hab ich darüber nachgedacht, wie sich das Brautsein so grundlegend von dem unterscheidet, was ich mir als kleines Mädchen vorgestellt habe. Damals habe ich nicht weiter als bis zum weißen Kleid, dem Schleier, einem rauschenden Fest und dem Ehemann gedacht (über die Reihenfolge bin ich jetzt nicht mehr sicher
).
Inzwischen habe ich gelernt, dass man nicht nur am Hochzeitstag die Braut ist, sondern in der ganzen Zeit von der Verlobung bis zum großen Tag. Und so passt es auch überhaupt nicht mit den Vorstellungen kleiner Mädchen zusammen, dass zum Brautsein auch das Streichen von Wänden, das Packen von Kisten und das Schleppen von Möbelstücken gehört. Bloß gut, dass das weiße Kleid das nicht alles auch schon mit durch machen muss…
Unser letzter Samstag war wieder ein Paradebeispiel für die Vielfältigkeit der Freuden und Aufgaben einer Braut vier Wochen vor dem großen Tag: Neben weiteren Räumaktionen im zukünftig gemeinsamen Heim (um Platz für meinen bald eintreffenden Kram zu schaffen) waren auch vorbereitende Näharbeiten für kleine Änderungen am Brautkleid mit von der Partie. Dazu kam es aber erst, nachdem ich eine Schublade von Münzen aus aller Herren Länder sortiert hatte (das Bild von Aschenputtel ließ sich nicht komplett abschütteln
), was uns wiederum zu einigem unerwartetem Bargeld verhalf. Als wäre der Tag nicht schon produktiv genug gewesen, folgte eine große Kuchenbackaktion des Bräutigams, der mir den Wunsch einer bestimmten Art von unbezahlbarer Hochzeitstorte erfüllen möchte und dazu einen Testlauf startete. Da ich inzwischen auch gelernt habe, dass ein Mann durchaus auf diese Weise seine Liebe ausdrückt, habe ich mich bald fröhlich mit ins Getümmel gestürzt und gespült, um das Chaos zu begrenzen.
Es ist nicht so, dass mir diese Art von Samstagsbeschäftigung übermäßig Spaß machen würde. Das Wetter hatte immerhin sehr deutlich zu einem ausgiebigen Frühlingsspaziergang eingeladen, jedenfalls konnte man das so verstehen, wenn man gern flüchten wollte…
Aber ich wußte, dass mich jeder Handgriff dem Tag näher bringt, an dem ich dann tatsächlich im Prinzessinnenkleid eine Braut mit Schleier, Fest und vor allem ganz tollem Ehemann sein werde. Und so ist Brautsein schon sehr toll
Jo, es ist schon was dran – Liebe geht durch den Magen