Mir fiel dieser Tage mal auf, dass ich noch nie über mein Lieblingsgedicht geschrieben habe, verfasst von meinem Favoriten-Dichter Paul Gerhardt. Immer wieder bin ich beeindruckt, welche Tiefe er in Worte packen kann- Vor allem wenn ich bedenke, durch welche Tiefen er in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mußte. In meinen dunkelsten Stunden haben mir seine Worte Glauben eingeflöst. Es gab sogar Zeiten, wo ich alle 12 Stophen auswendig konnte! Und sie sind mir nicht weniger wichtig, wenn ich wie jetzt so glücklich bin wie noch nie in meinem Leben:
Dem Herren mußt du trauen, Dein ewge Treu und Gnade, Weg hast du allerwegen, Und ob gleich alle Teufel Hoff, o du arme Seele, Auf, auf, gib deinem Schmerze Ihn, ihn laß tun und walten, Er wird zwar eine Weile Wirds aber sich befinden, Wohl dir, du Kind der Treue, Mach End, o Herr, mach Ende
Und was dein Herze kränkt
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt:
Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.
Wenn dirs soll wohlergehn,
Auf sein Werk mußt du schauen,
Wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
Und mit selbsteigner Pein
Läßt Gott ihm gar nichts nehmen,
Es muß erbeten sein.
O Vater, weiß und sieht,
Was gut sei oder schade
Dem sterblichen Geblüt:
Und was du dann erlesen,
Das treibst du, starker Held,
Und bringst zum Stand und Wesen,
Was deinem Rat gefällt.
An Mitteln fehlt dirs nicht,
Dein Tun ist lauter Segen,
Dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
Dein Arbeit darf nicht ruhn,
Wenn du, was deinen Kindern
Ersprießlich ist, willst tun.
Hier wollten widerstehn,
So wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurücke gehn:
Was er sich vorgenommen
Und was er haben will,
Das muß doch endlich kommen
Zu seinem Zweck und Ziel.
Hoff und sei unverzagt,
Gott wird dich aus der Höhle.
Da dich der Kummer plagt,
Mit großen Gnaden rücken;
Erwarte nur der Zeit,
So wirst du schon erblicken
Die Sonn der schönsten Freud.
Und Sorgen gute Nacht!
Laß fahren, was dein Herze
Betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente,
Der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente
Und führet alles wohl.
Er ist ein weiser Fürst
Und wird sich so verhalten,
Daß du dich wundern wirst,
Wenn er, wie ihm gebühret,
Mit wunderbarem Rat
Das Werk hinausgeführet,
Das dich bekümmert hat.
Mit seinem Trost verziehn
Und tun an seinem Teile,
Als hätt in seinem Sinn
Er deiner sich begeben,
Und solltst du für und für
In Angst und Nöten schweben,
Als frag er nichts nach dir.
Daß du ihm treu verbleibst,
So wird er dich entbinden,
da dus am wen’gsten gläubst;
Er wird dein Herze lösen
Von der so schweren Last,
Die du zu keinem Bösen
Bisher getragen hast.
Du hast und trägst davon
Mit Ruhm und Dankgeschreie
Den Sieg und Ehrenkron.
Gott gibt dir selbst die Palmen
In deine rechte Hand,
Und du singst Freudenpsalmen
Dem, der dein Leid gewandt.
An aller unsrer Not!
Stärk unsre Füß und Hände
Und laß bis in den Tod
Uns allzeit deiner Pflege
Und Treu empfohlen sein,
So gehen unsre Wege
Gewiß zum Himmel ein.