Eintauchen

Ich lese gerade “Durst” von Max Lucado. Auch wenn ich noch nicht sehr weit damit gekommen bin- ein Kapitel hat mich gestern abend sehr angesprochen.

Es geht um den verlorenen Sohn. Kennen wir ja. Wie der Vater ihm entgegenrennt, ihn trotz mehr als abschreckendem Äußeren in die Arme schließt und für ein neues Gewand, einen Ring und neue Schuhe sorgt. Aber dann kommt der große Bruder ins Spiel, der dem ganzen Treiben ja etwas weniger wohlgesonnen gegenüber steht.

Nun überlegte sich Max, wie die Geschichte im Licht einiger Paulusbriefe weiter gegangen sein könnte: Ein paar Tage später macht der große Bruder den Kleinen darauf aufmerksam, dass er jetzt allerdings peinlichst genau aufpassen sollte, ja keinen Fleck auf sein neues Gewand zu machen, sonst schmeißt ihn der Vater gleich hochkant wieder raus. Und dass er ja die Schnürsenkel fest zu schnürt, sonst wird der Vater sauer. Und seinen Ring sollte er eigentlich am Daumen tragen – so hätte der Vater das am liebsten…

Auch ich bin solchen “großen Brüdern” in meiner ersten stürmischen Glaubenszeit auf den Leim gegangen. Was im Gleichnis ganz eindeutig wirkt, ist im echten Leben gar nicht so einfach zu erkennen. Aber die Freude am Christsein – am Leben mit dem Vater – raubt es allemal. Mein Lieblingsautor Max bringt es mal wieder auf den Punkt: Sollte Gott uns zu einem Festessen ins Schloss einladen, damit wir dann die Kosten für das Menü in Raten abstottern? Wenn er einem müffelnden Sohn um den Hals fällt, wird er ihn nicht aus dem Haus werfen, weil sein neues Gewand einen Fleck hat. Das ist Gnade.

Jetzt bin ich am Lernen, diese “großbrüderlichen Ratschläge” von den Anweisungen des Vaters zu unterscheiden. Sehr entspannend, kann ich nur sagen!

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